Die Namen des Windes
Beim letzten Mal haben wir erkannt, dass der
Wind im Prinzip immer die gleiche Ursache hat:
einen Luftdruckunterschied zwischen zwei Orten, der die
Luft veranlasst, vom
hohen zum tiefen Druck zu fließen. Heute wollen wir uns mit den vielen unterschiedlichen
Namen und damit auch Erscheinungsformen des Windes beschäftigen.
Zum einen haben die Menschen dem Wind unterschiedliche Namen gegeben, um damit
die Windstärke auszudrücken. So zum Beispiel in der
Beaufort-Skala, die wir schon
kennen. Hier gibt es die Brise, den Wind, den Sturm und den Orkan. Wenn ein Meteorologe
nun sagt, der Wind habe Orkanstärke. Dann wissen alle: Der Wind hat eine Geschwindigkeit
von mindestens 120 km/h, also in etwa so schnell wie ein Auto auf der Autobahn! Ein kräftiger
Wintersturm in Europa erreicht häufig Orkanstärke.
Zum anderen unterscheiden die Meteorologen Winde anhand ihrer Entstehungsgeschichte. Je nach
Ursache des Windes haben wir es mal mit einem riesigen Windfeld zu tun oder aber nur mit
einem sehr begrenzten Gebiet, in dem der Wind auftritt.
Der Hurrikan
Der Hurrikan zum Beispiel ist ein mächtiger
tropischer Wirbelsturm. Er hat eine Ausdehnung von
mehreren 100 Kilometern und zieht tagelang über das Meer.
Der Wind in einem Hurrikan erreicht Geschwindigkeiten von über 200 Kilometern pro Stunde.
Trifft der Hurrikan irgendwann auf bewohnte Küsten, dann richtet er dort oft schlimme Schäden
an, zumal er auch noch von heftigen Regenfällen und Sturmfluten begleitet wird. Solche Hurrikane
erkennt man auf Satellitenbildern
an dem riesigen Wirbel, in dessen Mitte ein wolkenfreies und
windstilles sogenanntes "Auge" zu finden ist.
Der Hurrikan tritt nicht bei uns auf, sondern nur in Gebieten, wo das Meerwasser eine Temperatur
über 26 Grad hat. Solche Temperaturen werden in den wärmeren Gegenden unserer Erde erreicht,
wo die Sonne hoch am Himmel steht.
Über dem Meer wird der Hurrikan ständig mit neuer feuchtwarmer Luft gefüttert, aus der er seine
Energie bezieht. Beim Auftreffen auf Landgebiete fehlt der Energienachschub und der Hurrikan schwächt
sich dann langsam ab.
Der Tornado
Eine weitere imposante aber auch gefährliche Erscheinungsform des Windes ist der Tornado.
Bei bestimmten Bedingungen bildet er sich während eines Gewittersturms. Aus der
Gewitterwolke
senkt sich dann ein schlauchartiges Gebilde in Richtung Erde, in dem extreme Windgeschwindigkeiten
von mehreren 100 Kilometern pro Stunde erreicht werden. Der Tornado hat meist nur einen Durchmesser
von weniger als 100 Metern und dauert oft nur wenige Minuten. Aber seine Kraft reicht aus, um
Gegenstände und auch Lebewesen mit sich in die Höhe zu reißen. Tornados hinterlassen zwar nur
eine schmale Spur der Verwüstung, aber in dem betroffenen Gebiet sieht es hinterher aus, als
hätte eine Bombe eingeschlagen.
Tornados gibt es besonders oft und mit einer bemerkenswerten Intensität
in bestimmten Gebieten der USA, den sogenannten Great Plains (eine weite, ziemlich ebene Landschaft am Fuße der Rocky Mountains).
Dort sind die Bedingungen zur Bildung von Tornados besonders im Frühjahr ideal.
Durch besonders trockenkalte Luft in der Höhe und schwülheiße Luft in Bodennähe können sich
extreme
blumenkohlförmige Haufenwolken auftürmen, die dann
bisweilen einen Tornado produzieren.
Tornados können übrigens auch bei uns in Europa auftreten. Meist sind sie bei uns nur relativ schwach, gelegentlich aber
auch durchaus so stark wie ihre amerikanischen Brüder. In Deutschland werden Tornados landläufig als
Windhose, oder, wenn
sich der Rüssel über einer Wasserfläche befindet, als Wasserhose bezeichnet. Eine einheitliche Bezeichnungsweise
als "Tornado" wird aber auch in Deutschland angestrebt. Ob Tornado, Wind- oder Wasserhose:
Die Energie dieser Sturmart reicht fast immer aus, um Häuser abzudecken und Bäume umzuknicken wie Streichhölzer.
Unterschiede und Besonderheiten in der Namensgebung
Die Namensgebung ist natürlich auch nochmal von Land zu Land unterschiedlich. Unser Hurrikan heißt
in englischsprachigen Ländern Hurricane (sprich: Harrikäin) und in Asien Taifun. Dieser Name kommt
aus dem chinesischen und bedeutet "großer Wind".
In Indien nennt man solche Wirbelstürme Zyklonen und am einfallreichsten waren die Australier.
Dort heißt der Hurrikan Willy-Willy.
Seit den 50er Jahren geben die Meteorologen in Deutschland allen Hoch- und Tiefdruckgebieten Namen.
Die Zeitungen berichten dann z.B. von dem "Orkan Lothar", "Sturmtief Barbara" oder "Hoch Susanne".
Die Amerikaner bennen ihre Hurricanes ebenfalls mit Vornamen. Besonders schlimme Wirbelstürme waren
"Hurricane Andrew" und "Hurricane Mitch".
Zuguterletzt gibt es noch regionale Bezeichnungen für Winde mit bestimmten Eigenschaften.
Wahrscheinlich hast Du schon einmal vom
Föhn gehört. Dieser warme und trockene Wind
tritt auf der dem Wind abgewandten Seite (der Leeseite) von Gebirgen
(z.B. den Alpen) auf. Mistral, Chinook oder Shamal sind weitere Winde in bestimmten Regionen. Aber mit solchen regional auftretenden
Winden beschäftigen wir uns ein anderes Mal. Euer Paul!
Gehe zum Anfang der Seite
oder zu zurück zur Einleitung
|