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Der Nordwesten Namibias

Die folgenden 16 Bilder wurden während eines 6-wöchigen Namibiaaufenthaltes im September/Oktober 2000 gemacht. Sie stammen allesamt aus dem nordwestlichen und westlichen Teil Namibias, so daß bestimmte Sehenswürdigkeiten des südlichen und östlichen Namibias hier nicht dargestellt sind. Dennoch einige der wesentlichen Charakteristiken dieses beeindruckenden südafrikanischen Landes auf den Bildern zum Ausdruck kommen. Die jeweiligen Erläuterungen liefern ein paar Hintergrundinfos zu den einzelnen Bildern.

Bild 1: Dieses Bild zeigt eine Welwitschie (lat. welwitschia mirabilis). Diese Pflanze kommt weltweit nur in der Namib-Wüste zwischen dem Kuiseb und Südwestangola vor. Die ganze Pflanze besteht nur aus zwei Blättern, die ständig weiterwachsen und dabei stark zerklüften. Die Welwitschie besitzt die Eigenschaften sowohl der Nackt- als auch der Bedecktsamer, botanisch ordnet man sie aber den zapfentragenden Nacktsamern zu (zu letzteren gehören z.B. auch die Koniferen). Mittelgroße Welwitschien sind mehrere hundert Jahre alt, große Exemplare können bis zu 2000 Jahre alt werden. Namibia - Welwitschia mirabilis
Bild 2: Solche Staubteufel treten über den am Tage stark aufgeheizten Böden der wüstenhaften Regionen im Landesinneren Namibias (hier nahe dem Ort Sesfonteine) nicht selten auf. Sie können immer dann entstehen, wenn sich eine große Thermikblase (lokal stark überhitze bodennahe Luft) plötzlich vom Boden abhebt und stark beschleunigt aufsteigt. Dadurch bildet sich ein lokales "Mini-Tiefdruckzentrum", in welches die Luft aus der naheliegenden Umgebung beschleunigt und in der Regel auf direktem Wege (Euler-Wind) einströmt. [ weitere Erläuterungen ] Namibia - Ein Staubteufel bei Sesfontaine
Bild 3: Auf diesem Bild erkennt man das Tal von Sesfonteine. Sesfonteine ist eine kleine Siedlung, deren Name sich von den sechs Quellen, die hier entspringen, ableitet. Die Bergkette im Hintergrund ist durch einen markanten Einschnitt unterbrochen. Dabei handelt es sich um das Durchbruchstal des Hoanib, einem der Riviere in diesem Gebiet. Rivier ist hierbei die lokale Fachbezeichnung für Flüsse, die nur zur Regenzeit vorübergehend Wasser führen und den Rest des Jahres ausgetrocknet sind. In Nordafrika nennt man sie Wadis. Namibia - Bild 7
Bild 4: Hier ist das Durchbruchstal des Hoanib noch einmal in einer Nahansicht hervorgehoben. Die spärliche, ausgedörrte Vegetation zeigt, wie unwirtlich die Bedingungen für die Flora in dieser Region sind. Der Hoanib fließt direkt an Sesfonteine vorbei und mündet, wie viele der anderen Riviere, die in den Küstengebirgen entspringen, in den Atlantik im Bereich des Skelettwüsten-Nationalparks. Namibia - Bild 13
Bild 5: Dieses Bild zeigt das Flußtal des Hoanib bei Sesfonteine. Geologisch interessant sind die vielen, durch Wassererosion aufgeschlossenen Quarzadern im Vordergrund des Flußbettes. Anhand der einige Meter hohen wandartigen Einschnitte im Hintergrund am Rande des Flußbettes ist die starke Wirkung der Wassererosion besonders gut zu erahnen. Sie tritt natürlich immer nur dann auf, wenn der Hoanib während der Regenzeit einmal Wasser führt - aber dann richtig!! Namibia - Bild 12
Bild 6: Entlang der Atlantikküste findet findet man insgesamt 16 Brutkolonien der Kap-Pelzrobben. Etwa 75% aller Robben leben dabei südlich der Hollam-Vogelinsel, die etwa 200 Kilometer südlich von Walfish Bay liegt. Allein die hier gezeigte Kolonie am Kreuzkap wird von etwa 80000 bis 100000 Tieren gebildet. Diese Kolonie ist auch für Touristen tagsüber zwischen 10 und 17 Uhr erreichbar. Man muß jedoch einen bestimmten Abstand einhalten, um die Robben nicht zu stören. Namibia - Pelzrobben am Kreuzkap (Atlantikküste)
Bild 7: Die Namib ist eine typische, extrem trockene Küstenwüste. Sie ist bedingt durch den kalten Benguelastrom. Die tiefen Meeres-Oberflächentemperaturen des Atlantiks in diesem Gebiet (nur etwa 10-12°C) sorgen für eine starke Stabilisierung der unteren Luftschichten, so daß sich thermische Umlagerungsprozesse erst gar nicht ausbilden können. In höheren Luftschichten sorgt das südatlantische Subtropenhoch für absinkende Luftbewegungen und die Ausbildung einer kräftigen Absinkinversion (Passatinversion), die ebenfalls die Bildung niederschlagsträchtiger Bewölkung wirksam unterdrückt. Namibia - Die Küstenwüste Namib
Bild 8: Dieses Bild wurde in der Giribesvlakte aufgenommen. Giribesvlakte ist hierbei eine Ortsbezeichnung, wobei der Namensteil "vlakte" aus geomorphologischer Sicht eine abflusslose Hohlform bezeichnet. Das bedeutet ganz einfach, dass das Wasser, welches in dieses Tal einfließt, nicht wieder abfließt, sondern vollständig verdunstet bzw. versickert. Bei dem aufmerksamen Tier rechts im Bild handelt es sich um eine der häufig in Namibia vorkommenden Oryx-Antilopen. Interessant ist außerdem noch der vegetationsfreie Bereich ganz im Vordergrund - hier handelt es sich um einen sog. Fehenkreis (siehe auch nächstes Bild). Namibia - Bild 9
Bild 9: Auch diese Aufnahme, ebenso wie auch noch die folgende, wurde in der Giribesvlakte gemacht. Die bereits im vorhergenden Bild angesprochenen Fehenkreise sind hier wesentlich besser an dem Hang der hinteren Düne zu erkennen. Die Ursache für die Entstehung dieser Fehenkreise ist aktuell noch ungeklärt. Es wurden bereits zahlreiche Untersuchungen vorgenommen, aber es konnte keine klare Ursache für die völlige Vegetationsfreiheit im Inneren der Kreise gefunden werden. Die Dünen selber sind durch Sandverwehungen entstanden. Namibia - Bild 10
Bild 10: Dieses Bild zeigt noch einmal einen sehr schönen Blick über Giribesvlakte. Die Blickrichtung ist hierbei nach Südwesten. Bis auf flache Gräser kann in diesem Gebiet offensichtlich keine Pflanze den extremen klimatischen Bedingungen in diesem Tal trotzen. In den Sommermonaten werden hier, wie im übrigen in vielen anderen stark von der Namib beeinflussten Regionen Namibias auch, tagsüber leicht Temperaturen von 45°C im Schatten erreicht. Das Problem hierbei: es gibt weit und breit keinen Schatten ;-) Namibia - Bild 9
Bild 11: Die Wüstenelefanten im Damara- und Kaokoland sind zwar keine eigenständige Elefantenart, sie haben aber eine bemerkenswerte Eigenschaft: sie kommen nämlich bis zu 4 Tagen ohne Wasser aus, was für diese Tiere eine extrem lange Zeitspanne ist. In Dürreperioden können sie daher bis zu 60 Kilometer zur nächsten Wasserstelle wandern. Dabei gehen sie mit ihren Energiereserven ausgesprochen sparsam um. Namibia - Wüstenelefanten
Bild 12: Dieses Bild zeigt Pedimentflächen, die sich am Fuße der Kabere-Bergkette ausgebildet haben. Pedimentflächen sind, vereinfacht ausgedrückt, fast ebene, häufig mit Schutt bedeckte Flächen am Fuße von stark erodierten Gebirgszügen. Sie werden durch erosive Prozesse gebildet. Die auf dem Bild zu erkennenden gröberen Schuttbrocken sind Basaltbrocken. Der Bereich, in denen auffallend wenige Brocken liegen, kennzeichnet eine Abflußrinne. Namibia - Bild 14
Bild 13: Auf diesem Bild erkennt man eine solche Abflußbahn noch einmal wesentlich deutlicher. Wer sich hier wundern sollte: es gibt in dieser Region durchaus während der Sommermonate (Dezember bis Februar) Niederschlagsereignisse, die zu Wasserabflüssen führen. Da es sich vorzugsweise um Gewitterregen handelt, fallen dabei auf eng begrenztem Raum in kurzer Zeit teilweise erhebliche Wassermengen. Dieses Wasser fliesst teils kanalisiert über die Abflußbahnen, aber eben auch flächenhaft ab. Die Existenz der Pedimentflächen ist eng an diese Niederschlagsereignisse gebunden. Namibia - Bild 16
Bild 14: Die auf diesem Bild zu erkennenden großen Sandsteinbrocken (Etjo-Sandstein) weisen mehrere Stellen auf, die merkwürdig ausgehöhlt sind. Es handelt sich hierbei um die Auswirkungen der Tafoni-Verwitterung. Die Ausbildung der rundlichen Hohlräume hängt dabei damit zusammen, daß in den schattigen Innenbereichen einmal entstandener Löcher verstärkt erosive Prozesse ablaufen können, die den Stein dort immer weiter aufzehren. Namibia - Bild 15
Bild 15: Dieses Bild zeigt eine einzelne Sanddüne inmitten der Fußlandschaft der hiesigen Gebirgszüge. Das Auftreten solcher isolierten Dünen ist durchaus nicht einfach zu erklären. Namibia - Bild 8
Bild 16: Die Tierwelt in Namibia ist trotz der wüstenhaften Bedingungen bemerkenswert vielfältig. Dieses Bild zeigt z.B. eine Giraffe am Rand des Weges. Die Tiere sind sehr scheu und beobachten den Menschen und sein Verhalten stets sehr genau, um ggfs. rechtzeitig die Flucht ergreifen zu können.
Dieses Bild ist das letzte dieser Serie - ich hoffe, Ihnen haben die Bilder gefallen und Sie haben einen kleinen Einblick vom Nordwesten Namibias erhalten, der ja vielleicht auch als Vorgeschmack auf Ihre eigene Reise nach Namibia dient?!
Namibia - Eine Giraffe im Sonnenuntergang


Bilder und Texte © Anke Schumacher & Björn Beyer