Das Klimaphänomen El Nino
El Nino ist ein periodisches Luftdrucksignal zwischen dem
westlichen Pazifik vor Indonesien und dem östlichen Pazifik vor der Westküste Südamerikas. Hier erfahren Sie
mehr über das Klimaphänomen.
Hadleyzelle und Walkerzirkulation
Aufgrund der sehr uneinheitlichen Meeresoberflächentemperaturen
ist die diabatische (d.h. die fühlbare) Erwärmung in den
äqutorialen Breiten keine konstante Größe. Wandert man
also einmal entlang des Äquators um den gesamten Globus,
dann wird man z.B. an den Ostküsten der großen Kontinente
andere Meeresoberflächentemperaturen messen als an den
Westküsten. Diese Temperaturanomalien führen nun in der Folge
zu atmosphärischen Zirkulationsmustern, die die Grundzirkulation
der großen, meridionalen (d.h. Nord-Süd-gerichteten) Hadley-Zelle
überlagern. Dabei spielen besonders einige großräumige, sich in
west-östlicher Richtung entlang des Äquators erstreckende
Zirkulationsräder eine große Rolle. Die dominanteste dieser
West-Ost-Zellen ist diejenige, welche sich über dem äquatorialen
Pazifik befindet. Diese Zirkulationszelle nennt man Walker-Zelle,
bennannt nach G. T. Walker.
La Nina
In "Nicht-El Nino-Zeiten" (= La Nina) befindet sich der aufsteigende
Ast dieser Zirkulationzelle über dem westlichen Pazifik vor Indonesien
und der absteigende Ast über dem östlichen Pazifik vor der Westküste
Südamerikas. Entsprechend findet man ausgleichende bodennahe östliche
Winde über dem mittleren Pazifik und westliche Winde in der Höhe. Die
bodennahen (bzw. meeresoberflächennahen) östlichen Winde reichern
sich auf ihrem weiten Weg über den Pazifik stark mit Feuchtigkeit an
und füttern zusätzlich die mächtigen Konvektionszellen, die sich im
indonesischen Raum schon allein aufgund der dort sehr hohen Meeresoberflächentemperaturen
von annähernd 30°C tagtäglich bilden.
Nun haben diese Ostwinde aber auch die Eigenschaft, aufgrund von
Reibungskräften gewaltige oberflächennahe und damit warme Wassermengen
vor sich herzuschieben. In der Tat liegt der Meeresspiegel vor der Westküste
Südamerikas fast 30cm tiefer als im westlichen Pazifik vor der Inselwelt Indonesiens.
Meeresströmungen
Auch im Meer stellt sich in Reaktion auf diesen Massentransport eine
(etwas kompliziertere) Ausgleichströmung ein, die im Endeffekt zu
einem Upwelling von kaltem Tiefenwasser vor der südamerikanischen Westküste führt.
Dieses Upwelling von kaltem Tiefenwasser führt zu vergleichsweise
niedrigen Meeresoberflächentemperaturen in diesem Gebiet.
Mechanismus der Entstehung von Küstenwüsten
Das kalte oberflächennahe Wasser läßt die Feuchtigkeit
vorhandener Luftmassen rasch auskondensieren. Es bilden sich dicke
Stratuswolken, die sich über dem Pazifik in diesem Bereich ausregnen,
s.d. die Luftmassen die amerikanische Küste mit einer nur noch geringen
absoluten Feuchte erreichen. Durch die starke Sonneneinstrahlung werden
letztere nun über dem Festland kräftig erwärmt und die Wolken lösen sich
unmittelbar nach dem Übertritt aufs Land auf. Dieses Phänomen führt
dazu, daß man dort die trockensten Gebiete der Erde (in Form der Atacama-Wüste )
in Chile und Peru findet. Zudem ist das kalte und frische
Tiefenwasser entlang der Küste Perus und Ecuadors ausgesprochen fischreich,
was für einen Großteil der dort lebenden Bevölkerung die Lebensgrundlage darstellt.
Southern Oscillation und ENSO
Nun hat die Walker-Zelle jedoch die Eigenschaft, daß sie nicht ständig gleich
stark ausgeprägt ist. In mehr oder minder gleichmäßigen zeitlichen Abständen
von einigen Jahren schwächen sich die bodennahen östlichen Winde stark ab und
die Walkerzelle dreht ihren Richtungssinn im Extremfall sogar um. Dieses Phänomen
nannte Walker die Southern Oscillation . Durch die fehlende Reibungskraft
des Windes ändert sich nun in der Folge auch die Meereszirkulation. Das im
Westpazifik aufgestaute warme Wasser wandert in einer langen Welle Richtung
südamrikansche Westküste, wo gleichzeitig das Upwelling spürbar nachläßt. Es
kommt dort zu einem deutlichen Anstieg der Meeresoberflächentemperatur. Große
Fischbestände sterben durch diesen Prozess ab bzw. wandern in tiefere Meeresschichten
ab, so daß sie für die Fischer vor Ort nicht mehr fischbar sind. Diese
Veränderungen in der Meeresströmung des Pazifiks sowie die veränderten
Meeresoberflächentemperaturen bildeten die Grundlage für den Begriff El
Nino (spanisch: "Das Christkind"), da man ursrünglich lediglich die Erwärmung
der küstennahen Wasserflächen um Weihnachten herum mit diesem Begriff verband.
Heute verbindet man hingegen mit dem Bergiff El Nino das gesamte Phänomen
mit allen dazugehörenden Randerscheinungen, obschon man das Phänomen insgesamt
üblicherweise abkürzend als ENSO (=El Nino - Southern Oszillation) bezeichnet.
Die konvektiven Niederschläge, die sich zuvor im indonesischen Seegebiet befunden
haben, verlagern sich über den zentralen Pazifik, so daß in Indonesien eine
regelrechte Trockenzeit einsetzt.
El Nino als Kopplung zwischen Ozean und Atmosphäre
Wichtig: Das ENSO-Ereignis ist ein eindruckvolles Beispiel einer nichtlinearen
Kopplung des Ozeans und der Atmosphäre. Es ist ein großes Problem
der Wissenschaft, die auslösenden Parameter für ein El Nino-Event
zu lokalisieren. Es stellt bei der Klärung der auslösenden Prozesse
immer wieder die Frage, ob zuerst das Huhn oder das Ei vorhanden war.
Die weltweiten Auswirkungen auf regionale Witterungen eines starken El Nino
- Ereignisses sind jedoch bis jetzt eindeutig belegt und bereits gut erforscht.
Ein Beispiel für die Auswirkungen von starken El-Nino-Ereignissen ist zum
Beispiel die stark reduzierte Zahl an Hurricanes über dem Atlantik.
El Nino - weltweiter Einfluß
Ein El Nino-Ereignis beeinflusst das Wettergeschehen weltweit!
Daher ist ein zunehmendes Verständnis bzw. die Vorhersage eines solchen
ENSO-Ereignisses von großer Wichtigkeit für die Vorhersage von z.B.
Dürreperioden in Afrika oder vermehrten Niederschlägen in Amerika.
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