Merkmale von Warm- und Kaltfronten
In diesem Kapitel erfahren Sie etwas darüber, wie man in der Praxis Fronten identifizieren und analysieren kann.
Gut ausgeprägte Warm- oder Kaltfronten weisen meist
einen typischen Gang der meteorologischen Parameter
Druck,
Temperatur und
Windrichtung auf und können daher mit relativ
einfachen Mitteln von einem Beobachter am Boden identifiziert werden.
Merkmale von Warmfronten
Bei einer Warmfront in Mitteleuropa dienen dabei z.B. folgende
Merkmale zur ihrer Erkennung
[vgl. CHROMOV, S.P.: Einführung in die synoptische Wetteranalyse]:
1. Bodenfront: Bei Annäherung der Warmfront beobachtet man auffrischende und
in frontparallele Richtung drehende Winde, welche kurz
vor der Frontpassage ein Geschwindigkeitsmaximum erreichen. Bei Frontdurchgang
zeigt der Wind dann eine Rechtsdrehung und nimmt vorübergehend ab.
2. Drucktendenz: Bereits lange Zeit vor der Passage der Warmfront
am Beobachtungsstandort beginnt der Druck zu fallen. Die stärksten
Drucktendenzen
treten dabei in Frontnähe auf. Bei der eigentlichen Frontpassage bleibt der Druck gleich
oder fällt nur noch schwach.
3. Temperatur: Vor der Bodenfront findet man häufig bereits leicht
ansteigende Temperaturen. Im präfrontalen Regengebiet (typischer "
Landregen", der aus einer
Nimbostratuswolkendecke fällt) nimmt die Temperatur
durch die Verdunstungsprozesse meist
wieder etwas ab, bevor sie hinter der Bodenfront eine zeitlang ansteigt und dann etwa gleich bleibt.
4. Sicht: Unter dem ausgedehnten
Cirrus- und Altostratuswolkenschirm, welcher der
Bodenwarmfront in der Höhe weit (mehrere 100 Kilometer) vorauseilt, herrschen gute
Sichtverhältnisse. Sobald der Niederschlag
einsetzt, sinken die Sichtverhältnisse schlagartig und es bilden sich durch die
Verdunstungsprozesse Dunst und Nebelfelder aus.
Bild (© Björn Beyer): Typische, sich zum Horizont verdichtende Altostratus-Bewölkung bei Annäherung einer Warmfront
(etwa eine halbe Stunde später setzte am Beobachtungsstandort Regen ein)
Wer ein eigenes Thermometer und ein Barometer besitzen, sollte anhand obiger Merkmale
gut ausgeprägte Warmfronten relativ einfach
identifizieren können, sogar ohne den amtlichen Wetterbericht zu kennen. Leider
muss man aber berücksichtigen, daß keine Warmfront der
anderen genau gleicht, sondern jede ihren eigenen, spezifischen Charakter
hat. Einzelne Fronten zeigen zwar nicht prinzipiell andere Verläufe der
meteorologischen Parameter, können sich aber im Detail doch stärker unterscheiden.
So kann eine Warmfront z.B. im Sommer am Boden auch eine Abkühlung bringen,
wenn maritime, wolkenreiche Warmluftmassen eine wolkenarme und dadurch in
Bodennähe im Vorfeld stark erwärmte Luftmasse polaren Ursprungs ersetzen.
Man spricht dann von einer maskierten Warmfront.
Warmfronten im Winter
Im Winter tritt gelegentlich die Situation auf, daß die noch sehr kalten
Luftmassen
einer vorherigen Frostperiode noch längere Zeit nach dem
Durchgang der eigentlichen Warmfront in Bodennähe aufgrund ihrer
höheren Dichte "liegen bleiben" und
erst allmählich durch turbulenten
Austausch von der bereits darüberliegenden Warmluft ersetzt werden.
Während in diesen Situationen also in den Tälern noch Temperaturen
um oder sogar unter dem Gefrierpunkt auftreten, liegen sie in den
höheren Lagen der Mittelgebirge bereits deutlich über 0°C. Dies sind
auch die typischen Situationen, in denen
Eisregen auftreten kann.
Der Niederschlag fällt dabei durch die wärmeren Luftschichten in der
Höhe und gerät dann in Bodennähe wieder in eine kältere Luftschicht
mit Temperaturen unter 0°C, wo er im Extremfall bereits während des
Fallens wieder anfriert. Spätestens jedoch am Erdboden gefriert dann
der unterkühlte Regen meist spontan und kann so für eine überraschende
und sehr gefährliche Glatteissituation sorgen.
Merkmale von Kaltfronten
Eine Kaltfront in Mitteleuropa zeichnet sich ebenfalls durch einige typische Erkennungsmerkmale aus, die hier analog zu
denen der Warmfront zunächst aufgelistet sind [vgl. CHROMOV, S.P.: Einführung in die synoptische Wetteranalyse]:
1. Bodenwind: Vor der Front dreht der Wind auf frontparallele Richtungen
zurück und frischt spürbar auf. Bei der Passage der Front zeigt er eine markante Drehung nach rechts auf,
die jedoch im Kernbereich von Zyklonen nicht so deutlich zu erkennen ist. Zudem treten bei Durchgang
der Kaltfront häufig stürmische Böen auf.
2. Drucktendenz: Vor der Front fällt der Druck ähnlich wie bei einer
Warmfront. Hinter der Kaltfront jedoch steigt er meist kräftig an, was ein durchaus
aussagekräftiges Merkmal für die Identifikation einer Kaltfront ist. Lediglich im Kernbereich
von Tiefdruckgebieten ist auch nach Durchgang der Kaltfront noch mit einem leichteren Druckfall zu rechnen.
Bild (© Björn Beyer): Plötzlich heranrückende massive Cumulonimben bei einer Kaltfront
3. Temperatur: Hinter einer Kaltfront tritt in den meisten Fällen, vor
allem im Sommer, eine deutliche Temperaturabnahme auf, jedoch
kann die Sonneneinstrahlung, welche durch postfrontales Absinken und Wolkenauflösung ermöglicht wird, je nach Jahreszeit die Temperaturabnahme vermindern. Insbesondere im Winter setzt die eigentliche Temperaturabnahme erst weiter von der Front entfernt in Verbindung mit nachfolgenden Schauerstaffeln ein (*).
4. Sicht: Nach Durchgang einer Kaltfront bessert sich durch die Absinkvorgänge und damit aufreißende Bewölkung die Sicht schlagartig.
Traue keiner vollautomatischen Heimwetterstation!
Zu (*): Die Tatsache, daß der Druck nach Durchgang einer
Kaltfront häufig kräftig ansteigt, bedeutet in diesem Fall offenbar
keineswegs, daß hinter der Front dauerhaft mit
Hochdruckeinfluß und
schönem Wetter gerechnet werden kann. Die
Aufheiterungszone ist in
der Regel nämlich nur von kurzer Dauer und danach erfolgt dann
rasch ein Übergang zu unbeständigem und windigem
Schauerwetter.
Genau in diesen Situationen versagen auch die meist teuer erstandenen
vollautomatischen Heimwetterstationen mit optisch schöner digitaler
Wettervorhersageanzeige allesamt in systematischer Art und Weise.
Diese Geräte messen nämlich intern lediglich den Druck bzw. die Drucktendenz
(sie sind daher nichts weiter als verkappte
Barometer) und verwenden
dann diese Drucktendenzen für die Anzeige des zu erwartenden
Wetters.
Das muß also in diesem Falle einfach schiefgehen. Mein Tip lautet daher:
Kaufen Sie sich anstelle einer solchen "dummen Wetterstation" lieber
ein gutes Barometer, bei dem sie direkt den Druckverlauf beobachten
oder vielleicht sogar aufzeichnen können. Die Interpretation der beobachteten
Drucktendenzen kann der
denkende (Hobby-)meteorologe, der auch die
Wetterlage insgesamt kennt, mit viel besserer Güte vornehmen.
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