Strahlströme - Vorkommen und Entstehung
Strahlströme sind Starkwindbänder in der oberen Troposphäre. Sie markieren
meist die Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Luftmassen oder resultieren aus einem
starken horizontalen Druckgradienten.
Definition laut WMO
Laut der
World Meteorological Organization (WMO) ist
ein Jetstream definiert als ein starker,
schmaler (Wind-)Strom, der entlang einer nahezu horizontalen Achse in der Troposphäre oder auch
in der Stratosphäre konzentriert ist, der desweiteren durch starke vertikale und horizontale
Windgeschwindigkeits-Gradienten (=
Windscherungen) charakterisiert ist
und der ein oder mehrere Geschwindigkeitsmaxima aufweist.
Bild: Windmaxima in ca 10 km Höhe (300 hPa) markieren die jeweils aktuelle Lage des Polarjets (Bildquelle WetterOnline)
Bedeutung der Definition
Bei einem Jetstream handelt es sich also, einfach gesprochen, um einen langen, horizontalen und
schmalen Starkwindschlauch. Zwecks einer einheitlichen Bezeichnung hat man sich darauf geeinigt,
daß solch ein Starkwindschlauch an min. einer Stelle eine minimale
Windgeschwindigkeit von
30 m/s (etwa 60 Knoten (1 Knoten = 1,852 km/h))
erreichen muß, bevor man ihn als Jetstream bezeichnet. Schwächere Windbänder werden
als kräftige (Höhen-)strömung, aber
eben nicht mehr als Jetstream angesehen. In der Praxis werden in Einzelfällen
Windgeschwindigkeitsmaxima von mehr als 150 m/s (ungefähr 550 km/h) erreicht, und Werte um 200
bis 300 km/h sind keine Seltenheit.
Polarfrontjet und Subtropenjet
In der obigen Defintion wird ganz allgemein von einem Vorkommen eines Strahlstromes irgendwo in der
Troposphäre oder Stratosphäre gesprochen. Im Speziellen treten jedoch weltweit gesehen
im wesentlichen zwei große Strahlstromsysteme
innerhalb der (oberen) Troposphäre auf: der Subtropenstrahlstrom
und der Polarfrontstrahlstrom . Die Stratosphäre wird im Rahmen dieser Ausführungen
nicht weiter betrachtet.
- Der Subtropenstrahlstrom befindet sich über dem subtropischen Hochdruckgürtel etwa längs einer gedachten Linie
von den Bermuda-Inseln (Stichwort: Bermuda-Hoch)
über die kanarischen Inseln, Nordafrika, dem Persischen Golf, Indien, Südchina
und dem Pazifik hinweg bis nach Kalifornien.
Er liegt in einer mittleren Höhe von etwa 12 Kilometern über Grund, also knapp
unterhalb der tropischen Tropopause in der tropischen Luftmasse.
Beim Subtropenjet handelt es sich um ein quasi-zonales (also entlang eines
Breitenkreises verlaufendes), beständiges westliches Starkwindband .
- Der Polarfrontjet hingegen verläuft weit weniger zonal, vielmehr stark mäandrierend , und weist
im Mittel weder die Stärke noch die Persistenz des Subtropenjets auf. Es handelt sich um
kurze (meist mehrere hundert bis gut über 1000 Kilometer) lange Starkwindbänder, die sehr eng
an die mittel- und hochtroposphärischen Wellenmuster gekoppelt sind. Besonders
im Winter findet man recht kräftige Polarfrontstrahlströme im Bereich scharfer
Luftmassengrenzen (Polarluftmasse und Subtropen-Luftmasse).
Soweit zu den grundlegenden Eigenschaften von Jetstreams. Offen ist nun aber noch die
wichtige Frage nach der Entstehung dieser beiden Starkwindbänder ?
Entstehung von Strahlströmen
Da in kalter, dichter Luft (z.B. in einer Polarluftmasse) der
Luftdruck schneller mit der Höhe
abnimmt als in warmer
(z.B. in einer Subtropenluftmasse), bildet sich ein vom Bodenniveau, wo die Druckwerte horizontal überall
etwa gleich sind, ein mit der Höhe immer stärker zunehmendes Druckgefälle auf. Somit ist in einer Höhe
H (z.B. 5 km Höhe, in der Mitte der Troposphäre der gemäßigten Breiten) der Luftdruck in der Warmluftmasse also
höher als in der Kaltluftmasse. Die resultierende
Druckgradientkraft
ist stets vom hohen zum tiefen Druck gerichtet und beschleunigt daher die
Luft in Richtung des tiefen Luftdruckgebietes. Da nun auf ein bewegtes Luftpaket
auf der rotierenden Erde zusätzlich auch noch die
Corioliskraft wirkt (diese wirkt auf der
Nordhalbkugel stets nach rechts zur Bewegungsrichtung),
stellt sich ein geostrophisches
Kräftegleichgewicht ein, sobald die Strömung
parallel zum Druckgefälle verläuft. Damit ist geklärt, warum der
Wind vor allem
im Bereich von scharfen Luftmassengrenzen mit der Höhe deutlich zunimmt.
Bleibt aber noch die Frage, warum er am Oberrand der Troposphäre wieder
abnimmt (die Rede war ja von einem Starkwindschlauch!). Die Ursache hierfür ist, daß sich
ab einer bestimmten Höhe die Temperatur- und damit auch die Druckunterschiede wieder abschwächen.
Infolgedessen schwächt sich auch der Wind im Tropopausenniveau wieder ab.
Als Faustregel für das Geschwindigkeitsmaximum (also für die Lage des Jetstreams)
gilt folgendes: Der Subtropen- oder der Polarfrontstrahlstrom liegen
jeweils etwa 1 Kilometer unterhalb der Tropopause in der warmen Luftmasse.
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