Tornados sind sicher eine der interessantesten und zugleich gefährlichsten Wettererscheinungen, die
es gibt. Sie gehören in Mitteleuropa eher zu den meteorologischen Raritäten. Ganz im Gegensatz dazu ist
der Mittlere Westen der USA eine wahre Tornadoschmiede, vor allem im späten Frühjahr und im Frühsommer.
In dem im Jahr 1996 erschienenen Hollywood-Katastrophenthriller „Twister“ von Jan de Bont spielte er die Hauptrolle:
der Tornado. Doch wenngleich, wie in dem Filmstreifen suggeriert wird, selbst stärkste Tornados wohl nicht imstande
sein dürften, einen rund 15 Tonnen schweren Tanklastzug weiträumig durch die Luft zu wirbeln, so steht außer Zweifel, dass
kein anderes Sturmtief der Erde in Bodennähe stärkere Winde und damit größere Verwüstungen zu erzeugen vermag als ein Tornado.
Wie misst man die Windstärke bei einem Tornado?
Da bis dato kein Windmessgerät einen starken Tornado schadlos überstanden hat, und da Tornados mit nur wenigen Metern bis hin
zu rund zwei Kilometern Durchmesser sehr lokale Wetterereignisse sind, schätzt man ihre Windstärke nachträglich und indirekt
anhand der entlang ihrer Zugbahn entstandenen Schäden ab. Dabei reicht die Skala von einigen abgebrochenen Ästen und
Zweigen bis hin zu unvorstellbaren Zerstörungen: Autos sind um Beton-Brückenpfeiler gewickelt, ganze Häuser bis aufs
Fundament vom Erdboden verschwunden oder kleine Holzsplitter stecken zentimetertief in Beton. Die Bandbreite der beobachteten
Schäden lässt auf maximale Windgeschwindigkeiten von bis zu 500 km/h schließen.
Trombe, Wasserhose, Windhose, Tornado - viele Bezeichnungen für ein und dasselbe!
Deutschsprachige Bezeichnungen für Tornados
sind Windhose (über Land), Wasserhose (über Wasserflächen) oder allgemein Großtrombe. Allerdings scheint sich auch hierzulande
die amerikanische Bezeichnungsweise Tornado allmählich durchzusetzen.
Gelegentlich werden Tornados mit tropischen Wirbelstürmen verwechselt. Doch während die mehrere hundert Kilometer großen Tropenstürme ihre Energie nur über hinreichend warmen Meeresoberflächen entfalten können und sich insbesondere bei
einem Übertritt auf Landflächen rasch abschwächen, sind die viel kleinskaligeren Tornados an einzelne kräftige Schauer und
Gewitter gebunden, die gleichermaßen über Land wie auch über Wasser auftreten können.
Während in vielen Regionen der Erde Tornados als meteorologische Raritäten gelten, sind die Great Plains im mittleren
Westen der USA als wahre Tornadoschmiede bekannt. So werden dort pro Jahr rund 800 bis 1100 Tornados beobachtet, die
meisten davon im Frühsommer. In Deutschland liegt die Zahl der beobachteten Tornados inklusive aller Tornadoverdachtsfälle
bei 15 bis über 30 pro Jahr.
Wie herum drehen sich Tornados?
Auf der Nordhalbkugel drehen sich Tornados fast ausnahmslos gegen den Uhrzeigersinn. Sie verlagern sich im Mittel mit
der Geschwindigkeit ihrer Mutterwolke, allerdings können sie dabei stark schlingernde Bewegungen ausführen und immer
wieder einmal den Bodenkontakt verlieren. Meist dauern sie nur wenige Minuten. Manchmal aber, wenn alle Zutaten in
der Wetterküche passen, können sich ausgesprochen langlebige, riesige und rotierende Gewitterwolken entwickeln.
Solche sogenannten Superzellen können über Stunden hinweg immer wieder starke Tornados produzieren. Tornados sind
übrigens nicht immer leicht als Rüssel, der von einer Wolkenbasis zum Boden hinabreicht, erkennbar. Denn ist
die eingesaugte Luft zu trocken, kondensiert der Wasserdampf im Rüssel nicht aus und der Tornado bleibt unsichtbar,
jedoch nicht minder gefährlich.
Fotos von Superzellen-Tornados über dem mittleren Westen der USA (Photo courtesy of NSSL).
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